Virtuelles Wasser

16.09.2019 10:50

Bewässerungsanlage auf Feld virtuelles Wasser in der Produktion



Inhaltsverzeichnis:

Woher kommt die Idee des virtuellen Wassers?

Die Idee den Wasserverbrauch von Personen und Unternehmen bis hin zu Ländern und Kontinenten neu zu messen und zu benennen, entstand in den 1990er Jahren. In dieser Zeit begründete der britische Wissenschaftler John Anthony Allan den Begriff des virtuellen Wassers. Dieser beschreibt den Wasserverbrauch, der bei der Produktion von Gütern anfällt. Das erweiterte Konzept des Wasser-Fußabdrucks bezieht die Menge des importierten Wassers mit ein. Soll also eine Bilanz zwischen Ländern ziehen. Selbstverständlich importiert ein wasserreiches Land wie Deutschland nicht einfach flüssiges Wasser. Es werden verschiedene Methoden angewandt, um beispielsweise die Menge an Wasser zu erfassen, welche für den Anbau von Nahrungsmitteln für die Tierhaltung benötigt wird. Das Ziel ist es einen errechneten Überblick darüber zu schaffen wo welches Land ein Wasserdefizit, also einen Wasser-Fußabdruck hinterlässt und wie groß beziehungsweise tief dieser ist. Runtergebrochen kann davon ausgegangen werden, dass ein deutscher Bürger rund 4000 Liter pro Tag an virtuellem Wasser verbraucht während es „nur“ 123 Liter reales, also sichtbares, Wasser sind. Bildlich gesprochen heißt das: Pro Tag ca 30 volle aber leider unsichtbare Badewannen, gegenüber einer Badewanne für Kochen, Toilette und Duschen wie wir es tagtäglich vor Augen haben.

Virtuelles Wasser kann man in einer Definition wie folgt zusammenfassen:

Virtuelles Wasser ist die Gesamtheit allen Süßwassers, welches für die Produktion eines Stoffes/Nahrungsmittels/Guts benötigt wird. In der Rechnung inbegriffen sind Produktions- und Bereitstellungskosten. Am Beispiel von Rindfleisch heißt das: Bis 1kg Rindfleisch bei ihnen zur Verfügung steht, werden über 15.000 Liter Frischwasser verbraucht. Selbst Vegetarier können noch nicht aufatmen, denn pro Kilo Käse kommen immerhin auch noch 5.000 Liter Wasser zusammen. Selbst Weizen benötigt rund 1.300 Liter Wasser bis er uns zur Verfügung steht.

Die Farben des virtuellen Wassers

Bei virtuellem Wasser wird in drei Kategorien Unterschieden. Diese Kategorien Beziehen sich jeweils auf den Ursprung und die Verwendung des Wassers. Die Unterteilung geschieht in den Farben Grün, Blau und Grau:

  • Grün: Niederschlagswasser und der natürliche Wassergehalt der Erde (Bodenfeuchte).
  • Blau: Frischwasser für die künstliche Bewässerung (Sprinkler, Gießen, etc.)
  • Grau: Wasser, welches durch den Einfluss von Pestiziden wie Dünger und Industrieabfälle nur noch eingeschränkt nutzbar ist. Keine vollständige Aufbereitung mehr möglich.

Grünes virtuelles Wasser

Grünes virtuelles Wasser ist die Feuchtigkeit, die durch Niederschläge erzeugt wird. Niederschlag wird in Millimeter pro Quadratmeter angegeben. Wenn also von 1 Millimeter Niederschlag gesprochen wird, ist 1 Liter Wasser auf 1 qm Bodenfläche gemeint. Die Menge der so erreichten Bodenfeuchte variiert sogar innerhalb Deutschlands sehr stark, denn der durchschnittliche monatliche Niederschlag kann bereits pro Bundesland bis zu 75 Liter pro Quadratmeter schwanken. Weitere Einfluss Faktoren auf das grüne virtuelle Wasser sind die Verdunstungsrate, die Wind- und Bodenverhältnisse, sowie der Zeitpunkt der Niederschläge.

Blaues virtuelles Wasser

Blaues virtuelles Wasser ist das bei der künstlichen Bewässerung genutzte Frischwasser und wird, ähnlich unserem Leitungswasser, aus Oberflächengewässern gewonnen oder dem Grundwasser entnommen. Oberflächen Gewässer sind Bäche, Flüsse und Seen. Besonders diese Wasser ist immer wieder Streitpunkt bei vielen ökologischen und sozialen Themen. Denn es geht immer um die Fragen woher darf wie viel Wasser entnommen werden und wer hat das Recht dazu? Heute sind bereits viele große Frischwasserquellen bis auf ein Minimum geschrumpft und manche sogar schon vollständig versiegt. Ein gutes, oder ehr negatives Beispiel ist der Aralsee. Dieser gehörte vor nicht einmal 60 Jahren noch als eins der größten Binnengewässer der Welt und heute leiden die ansässigen Menschen durch die Wasserknappheit und die starke Verunreinigung der übrig gebliebenen Wasserreserven. Doch wer denkt, dass dies nur ein weit entferntes Beispiel ist, welches uns Mitteleuropäer nicht betrifft, der irrt sich. Denn auch in Spanien ist der Grundwasserspiegel durch exzessive Landwirtschaft bedrohlich stark abgesunken. Die benutzten Dünger und Pflanzenschutzmittel verschmutzen zusätzlich die Böden. Dieser harte Eingriff in die Natur hat noch ungeahnte Nachwirkungen, die unsereins wohl erst zu spät begreifen wird.

Graues virtuelles Wasser

Graues virtuelles Wasser ist faktisch betrachtet kein wirklich existierendes Wasser. Es ist die Menge an Wasser die nötig wäre, um das nicht mehr verwendbare Wasser so weit zu verdünnen, dass es dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt werde könnte. Die Verschmutzung des Wassers erfolgt auf vielfältige Art. Ob Dünger, Pestizide, Biozide oder „einfach nur“ Industrieabfälle, unsere Lebensgrundlage wird von vielen Seiten bis zur Unbrauchbarkeit verschmutzt. Den starken Einfluss bemerken wir, in einem der wasserreichsten Länder der Welt, nur bedingt. Doch die Leidtragenden sind wie so oft, Menschen aus den ärmeren Regionen der Welt. In ihren Heimatländern gibt es oftmals keinen entsprechend hohen Umweltschutz, um die Lage zumindest nicht zu verschlimmern. Zudem sind sie in den meisten Fällen auch von der Landwirtschaft abhängig, welche durch die bereits vorhandene Wasserknappheit, neue Pflanzenschutzmittel überhaupt erst nötig macht. Ein Kreislauf den es zu unterbrechen gilt.

Virtueller Wasserverbrauch

Nachdem wir nun klären konnten, was virtuelles Wasser überhaupt ist und in welche Kategorien man es unterteilen kann, folgen nun die teilweise erschreckenden Fakten zum virtuellen Wasserverbrauch. Jeder von uns hinterlässt jeden Tag einen riesigen „Wasser-Fußabdruck“ ohne diesen jemals sehen zu können. Denn sind wir ehrlich: Wer hat sich mal ausgerechnet wie viel Liter Frischwasser er jeden Tag wortwörtlich das Klo runterspült?! Oder besser: Wie viel Wasser wurde für die Gewürze in der heimischen Küche verbraucht? Hätten sie daran gedacht, dass sie theoretisch für jede Tasse Kaffee einmal die Badewanne füllen könnten? Leider kann sich kaum jemand davon freisprechen, im Hintergrund seines alltags mehrere Tausend Liter Wasser täglich zu verbrauchen, ohne den Wasserhahn zu betätigen. Sehen sie hier, wie viel Wasser wir für die Herstellung alltäglicher Produkte benötigen:

 
Produkt (je 1 Einheit/Liter/kg/Tasse)Wasser in Litern
Auto400.000
Computer200.000
Kakao27.000
Kaffee20.000
Rindfleisch15.000
Jeans11.000
Schweinefleisch5.500
Käse5.000
Hühnerfleisch4.000
Reis3.400
Eier3.300
Bioethanol aus Mais2.850
T-Shirt (Baumwolle)2.000
Zucker1.500
Weizen1.300
Milch800
Bier300
Kartoffeln255
Mikrochip50
Tee35
Papier (DIN A4)10
Rose5
 

Wie sie sehen liegt unser hauptsächlicher Wasserverbrauch im Verborgenen. Es ist nicht der laufende Wasserhahn beim Zähneputzen, oder das eine Vollbad im Monat, welches den meisten Einfluss auf unseren Wasserbedarf hat. All unsere Lebensmittel benötigen sehr viel Energie und Wasser. Um eine echte messbare Veränderung ihres „Wasser-Fußabdrucks“ auf der Welt zu hinterlassen, sollten sie also bewusster Lebensmittel genießen. Allein das Weglassen von Fleisch bei jeder 2ten Mahlzeit hätte bereits mehr für die Umwelt getan, als 2 Minuten weniger unter der Dusche zu stehen. So ein Duschgang verbraucht nur durchschnittlich 35 Liter Wasser.